Fettstammzelltherapie bei Arthrose

Die Arthrose, auch bekannt als Gelenkverschleiß, ist eine degenerative Erkrankung, die Millionen von Menschen weltweit betrifft. Wenn sich der Knorpel in einem Gelenk immer mehr abbaut, resultiert dies in Schmerzen, Steifheit und eingeschränkter Beweglichkeit, was die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Diese Erkrankung betrifft typischerweise Gelenke wie Knie, Hüften, Hände und die Wirbelsäule und stellt für die Betroffenen oft eine große Herausforderung dar. 

Die konventionellen Therapiemöglichkeiten sind häufig begrenzt und können mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden sein, was Patienten vor eine schwierige Entscheidung stellt. Als letzter Ausweg wird dann ein Gelenkersatz in Betracht gezogen, was jedoch eine invasive und nicht immer risikofreie Option ist. Inmitten dieses Szenarios bietet die neuartige Fettstammzelltherapie eine vielversprechende Alternative. Hierbei werden Stammzellen aus dem Fettgewebe extrahiert und in das betroffene Gelenk injiziert.

Aktuelles Interview mit Dr. med. Ralf Heinrich zum Thema
„Von Arthrose bis Herzstärkung:
Die vielseitigen Möglichkeiten der Stammzellentherapie.

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Interview bei QS24.tv

Viele Arthrose Patienten stehen vor einer unlösbaren Aufgabe: Ständige Schmerzen, eingeschränkte Lebensqualität, wenig Hoffnung auf Besserung, Schmerzmedikamente mit kritischen Nebenwirkungen. Letzte und oft unerwünschte Option: Gelenkersatz.

Dr. Ralf Heinrich schildert in diesem Video die alternative, neuartige und nebenwirkungsarme Methode der Fettstammzelltherapie. Hierbei werden Fettstammzellen direkt an den Ort des Geschehens gespritzt und verursachen regenerative Prozesse in dem entsprechenden Gelenk. Aufgrund der guten Behandlungserfolge bedienen sich auch immer mehr Orthopäden in Deutschland dieser Therapiemethode. In der THERA Praxis sind bereits drei Ärzte in der Durchführung der Fettstammzelltherapie geschult und ausgebildet.

Was sind Stammzellen und warum haben sie großes Potenzial für die Medizin?

Stammzellen sind, einfach ausgedrückt, Vorläufer- oder Ursprungszellen (=undifferenzierte Zellen). Sie können sich in verschiedene Zelltypen weiterentwickeln und somit unterschiedliche Gewebearten entstehen lassen. So liegt der Gedanke nahe, Stammzellen für therapeutische Zwecke zu nutzen, wenn ein Gewebe im Körper geschädigt ist. Denn was wir an dieser Stelle benötigen, ist Regeneration! Wiederaufbau. Genau hierzu sind Stammzellen grundsätzlich in der Lage: dem Körper dabei helfen, geschädigtes Gewebe wieder aufzubauen.

Fettstammzelltherapie bei Arthrose

Abb.: Eine häufige Ursache für vorzeitigen Gelenkverschleiß und Arthrose sind Sportverletzungen und extreme Belastungen.

Warum kann die Fettstammzelltherapie bei Gelenkschmerzen bzw. Arthrose potenziell helfen?

Im menschlichen Fettgewebe befinden sich die Fettstammzellen. Sie gehören in der Begrifflichkeit zu den „mesenchymale Stammzellen“ und sie tragen zur Gesunderhaltung und Regeneration des Stütz- und Bindegewebes bei. Anders ausgedrückt: Fettstammzellen können Knorpel, Knochen, Muskel, Sehnen, Bänder und Fett herstellen. Hierfür bedarf es zunächst keiner Therapie, sondern der Prozess läuft ständig und ganz natürlich in unserem Körper ab.

Mesenchymale Stammzellen befinden sich (u.a.) im menschlichen Fettgewebe und können potenziell Knochen und Knorpel aufbauen.

Dennoch leiden so viele Menschen unter degenerativen Veränderungen, Gelenkverschleiß (=Arthrose) und in der Folge Gelenkschmerzen und Bewegungseinschränkungen. Wie kann das sein? Lässt uns unser Körper hier im Stich?

Zu einem dauerhaften Verschleiß und Knorpelabbau kommt es immer dann, wenn die Belastung zu groß ist und über längere Zeit besteht, wenn ein Ungleichgewicht vorliegt zwischen Abbau und Aufbau. Solche Belastungen, die Gelenkverschleiß und Arthrose begünstigen, sind u.a.:

  • Übermäßige oder ungleichmäßige mechanische Belastung, z.B. bei Übergewicht/Adipositas, Fehlstellungen oder -haltungen, extreme Alltagsbelastungen/Sport
  • Entzündungsprozesse im Gelenk, ausgelöst zum Beispiel durch Infektionserreger, Verletzungen, Schwermetallbelastung, entzündliche Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Autoimmunerkrankungen
  • Durchblutungsstörungen: Wenn keine ausreichende Durchblutung gegeben ist (z.B. beim Vorliegen von Atherosklerose), dann wird die Gelenkflüssigkeit schlechter mit Nährstoffen versorgt und somit leidet der Knorpel, er „verhungert“

Hinzu kommt, dass die Regenerationsfähigkeit von mesenchymalen Stammzellen begrenzt ist. Im Laufe des Lebens nimmt die Anzahl der Stammzellen ab und somit die Fähigkeit zur Reparatur von Schäden. 

So lässt sich erklären, warum in der heutigen Zeit zunehmender Belastungen (mit u.a. stark zunehmender Fettleibigkeit) auch die Arthrose immer mehr zunimmt und warum die Prävalenz von Arthrose im Alter nochmals steigt. Laut der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie leiden in Deutschland etwa 8 Millionen Menschen an Arthrose.

Die Fettstammzelltherapie ist ein neuer Ansatz zur Behandlung von Knorpelschäden. Hierbei werden die Fettstammzellen aus dem Fettgewebe mittels Liposuktion extrahiert, aufbereitet und anschließend direkt in das betroffene Gelenk injiziert. Man könnte sagen: Die Selbstheilungskräfte des Körpers werden an Ort und Stelle gebracht.

Wie ist der aktuelle Forschungstand bezüglich der Fettstammzelltherapie?

Das große Potential der Stammzellen für die Behandlung von Krankheiten wird heute auch in der Forschung zunehmend erkannt. So gibt es bereits einige vielversprechende klinische Studien, die die Wirksamkeit einer Fettstammzelltherapie bei der Behandlung von verschiedenen Erkrankungen wie Arthrose, Knorpelschäden und Herzinfarkten belegen. Gezeigt werden konnte eine Verbesserung der Schmerzsymptomatik und eine verbesserte Knorpelqualität (Gelenkfunktion). Dennoch befindet sich die Fettstammzelltherapie in einem frühen Forschungsstadium und so hat sie auch noch keinen Einzug in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen erhalten.

Beispiel Studie 1: 

Knorpelregeneration und Entzündungsmodulation bei Kniearthrose nach Injektion von allogenen mesenchymalen Stromazellen aus Fettgewebe: eine randomisierte, placebokontrollierte, dreifach verblindete Phase-II-Studie“ (2023)

Studien-Design: 

40 Patienten mit Kniearthrose wurden über einen Zeitraum von 12 Monaten mit mesenchymalen Stammzellen bzw. einem Placebo behandelt

Ergebnis: 

  • Knorpelregeneration: Signifikante Verbesserung der Knorpeldicke und verbesserter Knorpelzustand in der Behandlungsgruppe im Vergleich zur Kontroll-/Placebogruppe nach 12 Monaten (MRT-Untersuchung)
  • Entzündungsparameter im Blut: Signifikante Verringerung der Entzündungsmarker in der Behandlungsgruppe im Vergleich zur Placebo-Gruppe
  • Klinischer Outcome: Verbesserter klinischer Befund (Schmerzen, Funktion) in der Behandlungsgruppe
  • Sicherheit: Die Injektionen waren gut verträglich, es kam zu keinen schwerwiegenden Nebenwirkungen

Fazit der Studie:

Die Injektion von allogenen mesenchymalen Stromazellen aus dem Fettgewebe in das Kniegelenk ist eine sichere und wirksame Behandlungsmethode für Patienten mit Kniearthrose. 

Bereits 2004 erschien in der Ärztezeitung ein Artikel darüber, wie US-Forscher mit Hilfe von Stammzellen des Fettgewebes ein Knochendefekt bei Mäusen reparieren konnten. 

Welcher Schweregrad einer Arthrose kann mittels Fettstammzelltherapie behandelt werden? 

Arthrose Befund
Stadium 0 = keine Arthrose Normalbefund
Stadium 1 = fragliche Arthrose mögliche osteophytische Ausläufer (Knochenspornbildung), möglicherweise leichte Knorpelschädigung
Stadium 2 = minimale Arthrose definitiver Osteophytennachweis, mögliche Verengung des Gelenkspalts
Stadium 3 = moderate Arthrose deutliche Verengung des Gelenkspalts, multiple Osteophyten, Sklerosierung (Verhärtung) des Knochens, mögliche Gelenkdeformität