Hashimoto-Thyreoiditis

Hashimoto-Thyreoiditis (Synonyme: Autoimmunthyreoiditis Hashimoto, Struma lymphomatosa Hashimoto, Hashimoto-Krankheit) ist eine chronische Schilddrüsenerkrankung, bei der körpereigene Antikörper das Organ angreifen. In Deutschland können die Hashimoto-Antikörper in bis zu 5% der Bevölkerung nachgewiesen werden, es fallen jedoch längst nicht alle von diesen Menschen als Hashimoto-Patienten mit Symptomen auf.

Bei der Entstehung und beim Verlauf der Hashimoto-Erkrankung spielen sowohl die individuelle, genetische Veranlagung, als auch Umweltfaktoren eine wesentliche Rolle. Letztere sind beeinflussbar und lassen sich für die Prävention und die Behandlung der Hashimoto-Erkrankung nutzen.

Bei dieser Autoimmunerkrankung (Autoimmunthyreoiditis Hashimoto) richten sich Antikörper gegen das Schilddrüsengewebe und führen so zu einer chronischen Entzündung, in deren Verlauf das Organ zerstört wird und seine Funktion nicht mehr erfüllen kann. Es kommt dann häufig zu einem langsamen, teilweise sehr lange klinisch unauffälligen Krankheitsgeschehen, an deren Ende die Entwicklung einer Schilddrüsenunterfunktion steht. Tritt die Erkrankung gemeinsam mit einem Morbus Basedow auf, so kann auch eine Schilddrüsenüberfunktion die Folge sein.

Die Schilddrüsenunterfunktion kann sich zum Beispiel durch kühle, trockene Haut und vermehrtes Frieren, sowie gesteigerte Ermüdbarkeit, Konzentrationsstörungen sowie Verstopfung oder Gewichtszunahme bemerkbar machen. Auch bei depressiven Verstimmungen sollte man an die Erkrankung denken. Auch eine Struma (Kropf) kann sich entwickeln.

Bei der Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann es zu warmer, feuchter Haut, sowie einer Intoleranz Wärme gegenüber kommen. Unruhe und Reizbarkeit, Schlafstörungen und rasche Ermüdbarkeit können weitere Folgen sein. Es kann unter anderem auch zu einem beschleunigten Ruhepuls (Tachykardie), Palpitationen („Herzstolpern“), Gewichtsabnahme und Durchfällen kommen.

Eine Autoimmunerkrankung kommt selten allein

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist häufig mit anderen Autoimmunerkrankungen vergesellschaftet. So beschreibt der Begriff „Polyendokrines Autoimmunsyndrom“ das gemeinsame Auftreten von Hashimoto-Thyreoiditis, Diabetes mellitus Typ 1, Morbus Addison und eventuell weiteren Autoimmunerkrankungen.

Die Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis stellt der Arzt über typische Symptomkonstellationen und verschiedene Laboruntersuchungen, wie zum Beispiel TPO-AK (Thyreoid-Peroxidase-Antikörper) oder Tg-AK (Thyreoglobulin-Antikörper). Natürlich werden auch die ganz normalen Schilddrüsenparameter bestimmt: TSH (Thyreoidea Stimulierendes Hormon), fT3 (freies Trijodthyronin) und fT4 (freies Tetrajodthyronin) und gegebenenfalls auch rT3.

Konventionelle Hashimoto-Therapie

Die Erkrankung wird konventionell mit einer lebenslangen Ersatztherapie des Schilddrüsenhormons behandelt. Dabei wird zunächst die individuelle Dosis, die sich am TSH-Wert und vor allem am subjektiven Wohlbefinden des Patienten bemisst, ermittelt. Es sollten regelmäßig Kontrolluntersuchungen erfolgen, da die körpereigene LT4-Produktion im Alter abnimmt und die Dosis angepasst werden muss.

Erweiterte Therapieansätze für Hashimoto-Thyreoiditis in der Integrativen Medizin

Es werden inzwischen auch verschiedene Ansätze aus der Komplementär- und Alternativmedizin (CAM) beforscht. Im Fokus stehen hierbei Faktoren, die die Entstehung der Hashimoto-Thyreoiditis und weiteren Autoimmunkrankheiten begünstigen, und andere, die ihr Auftreten unwahrscheinlicher machen können. Ebenso gibt es verschiedene vielversprechende Ansätze, um den Verlauf einer bereits bestehenden Erkrankung günstig zu beeinflussen und Verbesserungen in verschiedenen Bereichen zu erreichen. Dazu steht Ihnen bei uns in der Berliner Thera Praxisklinik für Integrative Medizin Ihr Arzt mit Fachwissen aus Konventioneller Medizin und Komplementär- und Alternativmedizin zur Seite und erstellt einen integrativen und individuellen Behandlungsplan. Dieser richtet sich nach Ihren persönlichen Bedürfnissen und Möglichkeiten und wird von unserem interdisziplinären Team in der Mommsenstrasse 57 umgesetzt. Neben den medizinischen Maßnahmen integrieren wir dabei im Sinne eines ganzheitlichen Behandlungsansatzes auch psychologische Beratung, Ernährungsberatung und Coaching, um Sie bei Lebensstiländerung tatkräftig zu unterstützen.

Forscher berichten in aktuellen Übersichtsarbeiten123 über verschiedene Möglichkeiten, die Schilddrüsenfunktion über eine optimale Darmgesundheit zu beeinflussen.

Patienten mit Hashimoto Thyreoiditis haben häufiger ein verändertes Darmmikrobiom

Wie Umweltfaktoren und Verhalten (1) über Darm Mikrobiom (2) und Darm (3) unter dem Einfluss der Genetik (4) auf Entstehung und Verlauf von Erkrankungen des Hormonsystems wirken.
Grafik mit freundlicher Erlaubnis der Autorin: Fenneman et al. 2020 Gut microbiota and metabolites in the pathogenesis of endocrine disease; Biochemical Society Transactions (2020) doi.org/10.1042/BST20190686

Zuerst ist ein gesundes Darm Mikrobiom eine wesentliche Grundvoraussetzung für ein gesundes Immunsystem und die optimale Funktion der Schilddrüse4. Die direkten Beziehungen zwischen Darm und Schilddrüse sind Gegenstand neuerer Forschungsarbeiten und werden unter dem Begriff „Thyroid-Gut-Axis“ (Schilddrüsen-Darm-Achse) beschrieben. So ist zum Beispiel beim Leaky Gut Syndrom die Barrierefunktion des Darmes soweit eingeschränkt, dass Antigene das Immunsystem auf eine schädliche Art und Weise aktivieren. Meist ist chronische Entzündung die Folge. Man kann sich dies wie einen ständigen Schwelbrand vorstellen, den der Mensch häufig gar nicht selbst wahrnimmt.

In diesem Prozess entstehen auch freie Radikale, die oxidativen Stress auslösen, der seinerseits auf fast alle Systeme im Körper negativen Einfluss nimmt und mit vielen Leiden in Verbindung gebracht wird.

In unserer Praxis wenden wir in Zusammenarbeit mit ausgewählten Laboren spezielle Diagnostik an, um etwaige Störungen auch in diesem Bereich festzustellen und diese unter anderem mit Präbiotika und Probiotika, sowie mit Umstellungen der Ernährungsgewohnheiten und Therapien zur Unterstützung der Entgiftungsfunktionen, zu beheben.

Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis können von Fastenkuren oder Intermittierendem Fasten profitieren

Man kann auch durch Fastenkuren oder Intermittierendes Fasten selbst etwas für die Darmgesundheit tun. Solche Maßnahmen sollten jedoch beim Vorliegen einer schweren Grunderkrankung im Vorfeld mit einem Arzt besprochen werden, um eventuelle individuelle Risiken zu erkennen und Sie sicher durch den Prozess zu begleiten.

Selbst wenn man nicht an einer akuten oder chronischen Erkrankung leidet, ist es häufig möglich, durch diese relativ einfachen Maßnahmen zu mehr Energie zu kommen, um mehr Schwung in Alltag und Arbeit zu bringen.

Bei ca. 60% der Bevölkerung in Deutschland ist der Vitamin D Spiegel noch zu niedrig

Ebenso ist es wichtig, dass essentielle Vitamine und Mineralstoffe nicht nur in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, sondern auch aufgenommen werden können. So reguliert Vitamin D die Immunantwort, JodEisen und Kupfer sind für die Synthese der Schilddrüsenhormone notwendig und Zink und Selen braucht der Körper, um T4 (Speicherform des Schilddrüsenhormons) in T3 (aktive Form des Schilddrüsenhormons) umzuwandeln. Auch die Aminosäure Tyrosin ist essentiell für die Schilddrüsenfunktion.

In Deutschland sind die im Serum gemessenen Vitamin D Spiegel bei ca. 60% der erwachsenen Bevölkerung unter dem Zielwert von 50nmol/L. Bei 30% der Bevölkerung wurde sogar ein Wert unter 30nmol/L gemessen, ein Bereich, in dem die verschiedensten Erkrankungen häufiger auftreten.

Werte über 100nmol/L können die Wahrscheinlichkeit reduzieren, an Krebs zu erkranken, Bluthochdruck lässt sich leichter einstellen und die Gesamtsterblichkeit sinkt5. Mit einer Vitamin-D-Überdosierung ist erst ab Serum-Werten ab 375nmol/L zu rechnen.

Zu unserer umfangreichen Labordiagnostik gehört neben der Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels unter anderem auch ein Jod-Belastungstest und die Bestimmung des Hormon-Status mittels Speicheltests.

Etwaige Mangelzustände werden durch natürliche Nahrungsergänzungsmittel und Infusionstherapien ausgeglichen. Das mit Nahrungsergänzungsmitteln ein positiver Einfluss auf den Verlauf der Hashimoto Thyreoiditis genommen werden kann, hat bereits 2016 eine Cochrane-Review zeigen können.

Wir ergänzen unsere Infusionstherapien meist mit dem Me2vie-System, bei dem u.a. mittels hochfrequenter Ströme gezielt die Stoffwechselaktivität erhöht werden kann. So werden die dem Körper bereitgestellten Stoffe besser aufgenommen.

Entgiften gehört auch bei Hashimoto Thyreoiditis dazu

Da Schwermetalle in sehr enger Beziehung zu Mineralstoffen stehen, gehören in der Berliner Thera Praxisklinik auch in diesem Bereich Diagnostik und Therapie zum Standard. Um Schwermetalle und andere Umweltgifte auszuleiten, bedienen wir uns verschiedener Systeme, die sich seit Jahren bei uns bewährt haben. Dazu gehört neben der Infusionstherapie mit Chelatoren wie DMPS, CaNa-EDTA und anderen auch unsere hauseigene therapeutische Apherese.

Nicht alle Umweltfaktoren, die eine Rolle bei der Entstehung der Erkrankung spielen, lassen sich beeinflussen. Plastik kann man jedoch reduzieren, vor Allem in Verbindung mit Lebensmitteln.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) klärt schon seit vielen Jahren über Wirkungen von Weichmachern wie Bisphenol A auf das Hormonsystem auf und stellt mit der App ToxFox eine wertvolle Entscheidungshilfe für den Gang zum Supermarkt bereit. Auch die Environmental Working Group (EWG) warnt schon sehr lange, auch vor den Wirkungen bereits bei niedrigen Dosen. Es gibt zwar in der Wissenschaft noch keinen Konsens zu einer direkten Verbindung zwischen hormonell wirksamen Weichmachern und der Hashimoto Thyreoiditis im Speziellen, aber es gibt diverse Hinweise, dass die Substanzen Einfluss nehmen könnten.

Hilfe aus der Natur: Heilpflanzen für den Hashimoto Patienten

Die Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) ist ein weiteres, breites Feld aus der Naturheilkunde in dem sinnvolle Therapieergänzungen für die Hashimoto Thyreoiditis zu finden sind. Mittlerweile lassen sich zu einzelnen Pflanzen auch Studien dazu finden.

Dazu zwei Beispiele

  • In einer kleinen Studie mit täglich 50ml Aloe Vera6 Barbadensis Miller Saft konnte die Schilddrüsenfunktion signifikant verbessert werden und die Zahl der Thyreoperoxidase-Autoantikörper wurde deutlich reduziert.
  • Mit Nigella sativa7 (echtem Schwarzkümmel) konnten in einer anderen Studie signifikante Verbesserungen des Körpergewichtes (BMI), sowie für die Werte TSH, Thyreoperoxidase-Autoantikörper und T3 erreicht werden.

„Die innere Mitte finden“ – mit Entspannungstechniken die Blutwerte bei Hashimoto Thyreoiditis verbessern

Wie bei allen Erkrankungen spielt Stress bei der Hashimoto Thyreoiditis eine entscheidende Rolle. Einerseits begünstigt Stress die Entstehung vieler Krankheitsbilder, andererseits verursacht eine bereits bestehendes akutes oder chronisches Leiden natürlich Stress beim Betroffenen.

In einer randomisierten, kontrollierten Studie8 mit 60 Patientinnen die an Hashimoto Thyreoiditis erkrankt waren konnten durch ein achtwöchiges Programm zur Stressreduktion deutliche Effekte gezeigt werden. Im Vergleich zur Kontrollgruppe, die nicht am Programm teilgenommen hatten, zeigten sich signifikante Verbesserungen in den Anti-thyroglobin-Titern im Blut, in den durch einen Fragebogen erhobenen Stress-, Depressions- und Angst Leveln sowie in der Entwicklung hin zu einem gesünderen Lebensstil.

Es wird deutlich, dass es eine ganze Reihe an Ansätzen gibt, um der Erkrankung zu begegnen.

Wenn professionelle Begleitung gewünscht wird, freuen sich unsere Ärzte*innen darauf, Sie in einem kostenlosen 10-minütigen Erstgespräch kennenzulernen und über die Möglichkeiten in unserer Praxis in Berlin zu beraten. Gerne können Sie auch direkt einen Termin für ein Erstgespräch vereinbaren.

Was Sie von uns erwarten dürfen, sollten Sie sich für eine Behandlung in der Thera Praxisklinik entscheiden, können Sie hier nachlesen.

Quellen:
HEROLD Innere Medizin 2020
Amboss

Referenzen:

  1. Knezevic, J., Starchl, C., Tmava Berisha, A. & Amrein, K. Thyroid-Gut-Axis: How Does the Microbiota Influence Thyroid Function? Nutrients 12, 1-16 (2020).
  2. Fenneman, A. C. et al. Gut microbiota and metabolites in the pathogenesis of endocrine disease. Biochem. Soc. Trans. (2020) doi:10.1042/bst20190686.
  3. Virili, C., Fallahi, P., Antonelli, A., Benvenga, S. & Centanni, M. Gut microbiota and Hashimoto’s thyroiditis. Rev. Endocr. Metab. Disord. 19, 293-300 (2018).
  4. Fröhlich, E. & Wahl, R. Microbiota and Thyroid Interaction in Health and Disease. Trends Endocrinol. Metab. 30, 479-490 (2019).
  5. Saternus, R., Vogt, T. & Reichrath, J. A critical appraisal of strategies to optimize vitamin d status in germany, a population with a western diet. Nutrients 11, 1-22 (2019).
  6. Metro, D., Cernaro, V., Papa, M. & Benvenga, S. Marked improvement of thyroid function and autoimmunity by Aloe barbadensis miller juice in patients with subclinical hypothyroidism. J. Clin. Transl. Endocrinol. 11, 18-25 (2018).
  7. Farhangi, M. A., Dehghan, P., Tajmiri, S. & Abbasi, M. M. The effects of Nigella sativa on thyroid function, serum Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) – 1, Nesfatin-1 and anthropometric features in patients with Hashimoto’s thyroiditis: A randomized controlled trial. BMC Complement. Altern. Med. 16, 1-9 (2016).
  8. Phelan. Stress Management in Women with Hashimoto’s thyroiditis: A Randomized Controlled Trial Zoe. Physiol. Behav. 176, 139-148 (2018).